Ratgeber · Für Shops und Marken
Sollte ich allen Creatorn dieselbe Provision zahlen oder eigene Konditionen je Creator?
Fang mit einem einheitlichen Provisionssatz für alle an, solange du nicht weißt, wer bei dir verkauft. Darauf kann eine Staffel oder ein Bonus kommen, die allen offenstehen. Eigene Sätze je Creator lohnen sich erst, wenn deine Zahlen über mehrere Monate zeigen, wer nach Retouren verkauft, und wenn der höhere Satz zusätzliche Verkäufe bringt, denn er gilt auch für Käufe, die ohnehin gekommen wären. Kriterien, Laufzeit und Prüftermin hältst du vorher schriftlich fest.
Stand:
Mit wyrld Boost bringst du dein Budget sofort zu Creatorn, die deine Produkte zeigen, und zahlst nach Ergebnis.
Vier Modelle: wer mehr bekommt und was du dafür brauchst
| Modell | Wer bekommt mehr | Was du vorher brauchst | Typischer Streitpunkt |
|---|---|---|---|
| Einheitssatz | niemand, alle gleich | deine Marge je Bestellung | starke Creator wollen mehr |
| Staffel nach Umsatz | wer eine Umsatzstufe erreicht | Umsatz je Creator nach Retouren | Retouren nach Monatsende |
| Bonus ab Ziel | wer das Ziel im Zeitraum schafft | Ziel, Betrag und Zeitraum | Ziel knapp verfehlt |
| Eigener Satz je Creator | wenige ausgewählte Creator | Zahlen über mehrere Monate | Mehrkosten auf Käufe, die ohnehin kämen |
Staffel und Bonus sind offene Regeln: Wer mitmacht, weiß, ab wann es mehr gibt. Ein eigener Satz ist eine Absprache mit einer Person. Bei 40 Creatorn hast du so schnell 40 verschiedene Vereinbarungen, die du abrechnen und prüfen musst.
Ein einfacher Aufbau: ein Einheitssatz als Grundlage, darauf eine Staffel oder ein Bonus, die allen offenstehen, und eigene Sätze nur für die wenigen Creator, deren Zahlen das tragen. So bleibt die Abrechnung überschaubar.
Eigene Konditionen belohnen Creator, die schon verkaufen. Wer deine Produkte bisher nicht zeigt, fängt wegen ein paar Prozent mehr selten damit an, und ein Partnerprogramm, in dem Creator deine Produkte auswählen können, bringt von allein keine Beiträge. Gerade gefragte Creator posten eher mit Anlass, etwa einer Kampagne mit Budget oder einem Launch. Bevor sich eigene Sätze lohnen, musst du also Creator zum Posten bringen, möglichst viele auf einmal, und danach sehen, wer verkauft.
Manche Creator mit großer Community verlangen einen höheren Satz oder ein Honorar, bevor es überhaupt Zahlen gibt. Das rechnest du wie im Beispiel unten als Mehrkosten, die zusätzliche Bestellungen tragen müssen.
Rechenbeispiel: Was ein höherer Satz für die Stärksten kostet
Alle Zahlen sind angenommen, setz deine eigenen ein. Wie sich die Verkäufe in deinem Programm auf die Creator verteilen, zeigen nur deine eigenen Daten.
- Ausgangslage: 40 Creator, ein Satz von 10 % auf den Nettoumsatz nach Retouren. Eine Bestellung bringt im Schnitt 50 € netto nach Retouren, also 5 € Provision, und 20 € Deckungsbeitrag vor Provision, also das, was nach Wareneinsatz, Versand, Zahlungsgebühren und Retouren übrig bleibt.
- Im Monat kommen 100 Bestellungen, 60 davon über fünf Creator, 40 über die übrigen 35. Du zahlst 500 € Provision, 5 € je Kauf, und behältst nach Provision 100 × 15 € = 1.500 €.
- Du gibst den fünf 15 %, also 7,50 € je Bestellung. Verkaufen sie nicht mehr als vorher, zahlst du 60 × 2,50 € = 150 € mehr. Die Kosten je Kauf steigen auf 6,50 €, und dir bleiben nach Provision nur noch 1.350 €.
- Die Gewinnschwelle: 150 € ÷ (20 € − 7,50 €) = 12 zusätzliche Bestellungen. Die fünf müssen also von 60 auf 72 Bestellungen kommen, ein Plus von 20 %, bevor der höhere Satz dir etwas bringt.
- Kommen sie auf 80 Bestellungen, zahlst du 80 × 7,50 € + 40 × 5 € = 800 € für 120 Bestellungen. Die Kosten je Kauf liegen bei 6,67 €, höher als vorher, aber dir bleiben 80 × 12,50 € + 40 × 15 € = 1.600 €, also 100 € mehr.
- Zusätzlich heißt: Diese Käufe wären sonst nicht passiert. Kauft dieselbe Kundschaft nur über einen anderen Link, etwa über einen anderen Creator oder deinen Newsletter, steigt die Zahl bei den fünf, aber nicht bei dir.
Staffel mit 10 % und ab 3.000 € 15 %: für den ganzen Umsatz oder nur darüber?
| Monatsumsatz netto nach Retouren | Ab 3.000 €: 15 % auf alles, darunter 10 % | Ab 3.000 €: 15 % nur auf den Teil darüber |
|---|---|---|
| 2.900 € | 290 € | 290 € |
| 3.000 € | 450 € | 300 € |
| 4.000 € | 600 € | 450 € |
| 6.000 € | 900 € | 750 € |
Angenommen, die Staffel lautet 10 % bis 3.000 € Monatsumsatz und 15 % ab 3.000 €. Gilt die höhere Stufe für den ganzen Umsatz, kosten dich die letzten 100 € Umsatz vor der Schwelle 160 € mehr Provision. Gilt sie nur für den Teil darüber, steigt die Provision ohne Sprung, und bei 6.000 € zahlst du im Schnitt 12,5 % statt 15 %.
Eine Stufe auf den ganzen Umsatz ist leichter zu erklären, macht aber die Schwelle teuer. Wer knapp darunter liegt, hat einen Grund, Bestellungen noch in den Monat zu ziehen. Schreib deshalb in deine Bedingungen, welche Variante gilt.
Retouren nach Monatsende können einen Creator wieder unter die Schwelle bringen. Privatkundschaft hat bei Bestellungen im Onlineshop in der Regel ein Widerrufsrecht (§ 312g Abs. 1 BGB). Die Frist beträgt 14 Tage (§ 355 Abs. 2 BGB) und beginnt bei Waren erst, wenn sie angekommen sind (§ 356 Abs. 2 Nr. 1 BGB). Nach dem Widerruf bleiben für die Rücksendung bis zu 14 weitere Tage (§ 357 Abs. 1 BGB). Prüf die Stufe deshalb erst, wenn die Fristen für die Bestellungen des Monats abgelaufen und die Rücksendungen verbucht sind. Bietest du eine längere Rückgabe an, dauert es entsprechend länger.
So entscheidest du, wer bessere Konditionen bekommt
- Wähle einen Zeitraum von mehreren Monaten, zum Beispiel ein Quartal. Ein einzelner Beitrag mit ungewöhnlich vielen Käufen sagt wenig darüber, was ein Creator auf Dauer verkauft.
- Zieh je Creator dieselben Zahlen: Bestellungen, Nettoumsatz nach Retouren und Stornos, Retourenquote, Klicks und Bestellungen je Klick. Kannst du Erstkäufe erkennen, nimm ihren Anteil dazu.
- Rechne auf den Deckungsbeitrag um. Ein Creator mit viel Umsatz und vielen Retouren kann dir weniger bringen als einer mit weniger Umsatz, dessen Community behält, was sie kauft.
- Leg die Schwelle für bessere Konditionen fest und prüf den höheren Satz gegen die höchste Provision, die deine Marge trägt, und gegen die Zahl zusätzlicher Bestellungen, die er bringen muss, wie im Rechenbeispiel oben. Wie du diese Obergrenze aus Marge und Retouren rechnest, steht im Ratgeber zur Provisionshöhe.
- Halte schriftlich fest, was gilt: Kriterium, Satz oder Bonus, Basis netto nach Retouren, Laufzeit, Prüftermin und was danach passiert, etwa die Rückkehr zum Grundsatz.
- Vergleiche nach dem Prüftermin: Haben die Creator mit besseren Konditionen mehr verkauft als vorher und mehr als Creator mit ähnlichen Zahlen, die beim Grundsatz geblieben sind? Wenn nicht, läuft die Kondition aus.
So ist es bei wyrld
Mit wyrld Boost bringst du ein Kampagnenbudget zu Creatorn, die deine Produkte zeigen. Du legst Produkte, Zeitraum und die KPIs fest, nach denen ausgezahlt wird, zum Beispiel Käufe oder Klicks, und bestimmst, in welchen Shops gekauft wird. Viele Creator können gleichzeitig mitmachen. Ob ein Creator dabei ist, entscheidet er selbst, und Kampagnenvideos kennzeichnen die Creator als Werbung. Nach der Kampagne siehst du, welcher Creator welche Ergebnisse gebracht hat, und hast damit eine Grundlage für eigene Konditionen.
Läuft dein Partnerprogramm über eines der großen Affiliate-Netzwerke, an die wyrld angebunden ist, ist wyrld dort meist schon als ein einziger Partner dabei, hinter dem Hunderte Creator stehen, vor allem aus Mode, Beauty und Interior. Das Brand- und Shop-Abo zeigt dir, welche Creator deine Produkte zeigen, wer Klicks bringt und, soweit dein Shop die Käufe meldet, wer verkauft. Für die Creator, die verkaufen, legst du eigene Provisionssätze oder Boni fest, und wyrld richtet sie ein. Ohne Partnerprogramm ist auch eine direkte Anbindung möglich. Die Preise für Abo und Boost nennen wir auf Anfrage.
Häufige Fragen.
Wie viel mehr Provision sollte ein Top-Creator bekommen?
Eine feste Zahl gibt es dafür nicht. Der höhere Satz muss unter der höchsten Provision bleiben, die deine Marge trägt, und genug zusätzliche Bestellungen bringen. Die Rechnung: Mehrkosten auf die bisherigen Bestellungen geteilt durch das, was dir je Bestellung nach der neuen Provision bleibt. Im Beispiel oben sind das 150 € ÷ 12,50 € = 12 Bestellungen mehr.
Was mache ich, wenn ein großer Creator vorab mehr Provision will?
Behandle die Forderung wie einen Test. Rechne aus, wie viele zusätzliche Bestellungen der höhere Satz oder ein Honorar tragen muss, wie im Rechenbeispiel, und vereinbare das befristet, etwa für ein Quartal, mit Prüftermin. Bleiben die Zahlen darunter, gilt danach wieder dein Grundsatz. Ob der Creator darauf eingeht, entscheidet er selbst.
Darf ich Creatorn unterschiedliche Provisionen zahlen?
Grundsätzlich ja, Provisionen sind Verhandlungssache. Unterschiede sollten an Zahlen hängen, nicht an Merkmalen wie Geschlecht, ethnischer Herkunft oder Alter, die das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz schützt (§ 1, § 2 Abs. 1 Nr. 1 AGG). Kartellrechtlich darf, wer marktbeherrschend ist oder von wem andere abhängig sind, gleichartige Unternehmen nicht ohne sachlich gerechtfertigten Grund anders behandeln (§ 19 Abs. 2 Nr. 1, § 20 Abs. 1 GWB). Was für dich gilt, klärst du mit deiner Rechtsberatung.
Sollen Creator wissen, was andere Creator bekommen?
Die Regeln schon, die einzelnen Beträge nicht unbedingt. Machst du Staffel, Schwelle und Kriterien allen bekannt, wissen alle, wie sie zu besseren Konditionen kommen, und Unterschiede wirken nicht willkürlich. Eigene Sätze für einzelne Creator bleiben eine Absprache zwischen euch beiden.
Was passiert, wenn ein Creator die Schwelle nicht mehr erreicht?
Das regelst du vorher. Befriste bessere Konditionen, etwa auf ein Quartal, und schreib dazu, dass danach wieder der Grundsatz gilt, wenn die Schwelle verfehlt wird. Eine Kürzung ohne Ankündigung merken Creator sofort. Wie und mit welcher Frist du Konditionen ändern kannst, steht in den Bedingungen deines Partnerprogramms oder in eurer Vereinbarung.
Bonus oder höherer Satz: Was passt für die besten Creator?
Ein Bonus, also ein fester Betrag ab einem Ziel, kostet dich zusätzlich zur Provision höchstens diesen Betrag je Creator und Zeitraum und passt zu Aktionen mit festem Zeitraum. Ein höherer Satz wächst mit dem Umsatz, ohne Deckel. Dafür hat der Bonus eine Schwelle, an der ein knapp verfehltes Ziel leer ausgeht, und das sorgt eher für Diskussionen.
Stand der Angaben:
Quellen
Die Zahlen in den Rechenbeispielen sind Annahmen, keine Branchenwerte. Diese Seite erklärt Rechenwege und Rechtslage allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung. Gelesen am :
- Bürgerliches Gesetzbuch, § 312g (Widerrufsrecht)
- Bürgerliches Gesetzbuch, § 355 (Widerrufsrecht bei Verbraucherverträgen)
- Bürgerliches Gesetzbuch, § 356 (Widerrufsrecht bei außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen und Fernabsatzverträgen)
- Bürgerliches Gesetzbuch, § 357 (Rechtsfolgen des Widerrufs)
- Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz, § 1 (Ziel des Gesetzes)
- Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz, § 2 (Anwendungsbereich)
- Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen, § 19 (Verbotenes Verhalten von marktbeherrschenden Unternehmen)
- Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen, § 20 (Verbotenes Verhalten von Unternehmen mit relativer oder überlegener Marktmacht)